Von Rabeneltern und Wunderkindern

 

E-Book ISBN: 9 783844 851472

 

 

Print-Book ISBN: 9 783839 171554

 

 

 

 

Textauszug

 

1

 

Das Sprechzimmer der Ärztin war mit hellen Möbeln und farben­frohen Vorhängen ausgestattet, was eine entspan­nend wirkende Atmosphäre schuf. Dennoch fühlte sich das Ehepaar, welches schweigend vor dem Schreibtisch saß und auf die Ergebnisse der Untersuchung wartete, sichtlich unbehaglich.

Elisa Andersen war eine geschmackvoll gekleidete, zier­liche Frau. Ihr brünettes, schulterlanges Haar umrahmte in sanft schimmern­den Wellen ein kleines herzförmiges Gesicht, das von großen braunen Augen und einem sinn­lichen Mund beherrscht wurde. Sie war sehr nervös, was sich nicht nur an ihrer angespannten Sitz­position sondern auch an ihren Fingern zeigte, die ein ums andere Mal ein Papiertaschentuch zusammen falteten, nur um es im näch­sten Moment wieder auseinander zu nehmen.

Karl Andersen war ein stämmiger, rotblonder Endvierzi­ger von hohem Wuchs. An seinen Schläfen und im dicht waschsenden Schnurbart zeigten sich erste Silberfäden. Auf seiner Stirn und um die grauen Augen hatten sich tiefe Falten in die helle Haut ge­gra­ben, welche davon zeugten, dass er meist mit verkniffener Miene herumlief. Der dunkle Maßanzug, das weiße Hemd und die ordent­lich gebundene Krawatte saßen tadellos. Allerdings schien ihm der Schlips zu eng zu sein, denn er hob immer wieder seine Rechte, um den Knoten ein wenig von seiner Kehle wegzuziehen.

Den Blick stur auf einen Punkt an der gegenüber liegen­den Wand richtend, biss Karl die Zähne so fest zusam­men, dass seine Kiefer­knochen deutlich hervortraten. Er war jetzt schon zwölf Jahre ver­heiratet, konnte aber nach wie vor keinen Stammhalter vorweisen, dachte er gereizt. Mittlerweile war seine Frau von allen möglichen Ärzten untersucht worden, immer mit dem Ergebnis, dass mit ihr alles in bester Ordnung war. Doch statt froh zu sein, dass ihr nichts fehlte, und darauf zu vertrauen, dass es mit der Schwangerschaft irgendwann doch noch klappen würde, war sie nicht müde ge­worden, ihm einzureden, dass er sich ebenfalls untersuchen lassen müsse. Ihr liefe die Zeit davon, hatte sie immer wieder betont, was er für absolut albern hielt, da sie ja erst dreißig Jahre alt war. Den­noch hatte er schließlich eingewilligt, dass seine Zeugungs­fä­higkeit von fachkundigen Leuten bestätigt werden sollte, damit sie endlich Ruhe gab. Und nun war endlich der Tag gekommen, da sie es schwarz auf weiß zu sehen bekom­men würde!

Als die Tür aufging und die Ärztin herein kam, straffte sich der große Mann noch ein wenig mehr. Seine Beglei­terin hingegen schien noch kleiner zu werden, während ihr Blick wie gebannt an der Medizinerin hing, die sich nun mit ernstem Gesicht hinter ihren Schreibtisch setzte.

„Ich habe leider schlechte Nachrichten“, begann Doktor Wießner. „Die Untersuchungsergebnisse haben bestätigt, dass Sie, Herr Andersen, weder auf natürlichem Wege noch mit medizinischer Unterstützung Kinder zeugen können.“

Karl fühlte seine Hände kaum noch, so kalt waren sie mit einem Mal. Also doch nicht so abwegig, wie er bisher hatte glauben wol­len, dachte er schockiert. Seine Männ­lichkeit brachte tat­sächlich nichts Vernünftiges hervor – mal ganz abgesehen von einem enormen Bedürfnis nach Aufmerksamkeit.

„Aber …“ Er schluckte hart, bevor er weiter sprach: „Wie kann das sein?“

„Ich hatte ja schon bei unserem ersten Gespräch gesagt, dass es viele Ursachen für eine Sterilität bei Männern gibt“, antwortete die Ärztin ruhig. „Die bekannteste dürfte eine Mumps-Erkrankung im Erwachsenenalter sein. …“

Während Doktor Wießner weitere in Frage kommende Ursachen aufzählte, hörte Karl schon gar nicht mehr hin, denn er war nun im Geiste damit beschäftigt, herauszu­finden, wann er das letzte Mal krank gewesen war. Da ihm diesbezüglich aber nichts einfallen wollte – er war schon immer hart im Nehmen und noch nie ein Jammer­lappen gewesen! – fühlte er wütende Frustration in sich aufsteigen. Er hatte sich aus eigener Kraft von einem Handwerker­-Sohn aus ärmlichsten Verhältnissen zu einem Unternehmer hoch gearbeitet, der voller Stolz auf das Erreichte zurückblicken konnte, erinnerte er sich. Die Vorstellung, dass sein europaweit bekannter Maschinen­bau-Betrieb später von seinem eigenen Sohn über­nommen und weitergeführt werden würde, hatte ihn dabei stets vorangetrieben. Aber jetzt … Sollte wirklich alles um­sonst ge­wesen sein? Würde sein Lebenswerk am Ende von einem Fremden übernommen werden, der sich ins gemachte Nest setzte ohne je etwas für sein Glück getan zu haben? Hatte er etwa dafür wie ein Verrückter ge­schuftet?

„Sie sagen also, es gibt Krankheiten, die dazu führen können, dass ein Mann nicht mehr ganz Mann ist?“ Seine sonst ziemlich laut und befehlsgewohnt klingende Stimme drohte jeden Moment zu versagen. „Und es gibt keine Möglichkeit …“ Er schluckte wie­derholt, was deutlich machte, wie schwer es ihm fiel, die rich­tigen Worte zu finden. „Ich meine … Die Medizin macht doch heutzu­tage fast alles möglich.“

„Nein, in Ihrem Fall gibt es derzeit keine Behandlungs­methode, die wirklich Erfolg versprechend wäre.“ Die Ärztin ließ ein be­dauerndes Lächeln sehen. „Es tut mir leid.“

Karl nickte nur. Einen kurzen Blick in die Richtung sei­ner Frau werfend, stand er gleichzeitig auf und ging zum Fenster hinüber, um stumm hinaus zu starren. Aus, dachte er immerfort. Der Traum von einem Stammhalter war nun endgültig ausgeträumt.

Elisa indes saß wie versteinert da. Eigentlich hätte sie jetzt er­leichtert sein sollen, dachte sie für sich, denn sie musste nicht län­ger die Schuld bei sich suchen. Trotzdem bereute sie nun, ihren Mann zu dieser unseligen Unter­suchung gedrängt zu haben, weil sie wusste, dass die Kenntnis um seine intimste Schwäche ihn von nun an Tag und Nacht verfolgen würde, ohne dass er etwas da­gegen unternehmen konnte. Sie wusste auch, er würde ihr nicht verzeihen, dass sie die treibende Kraft gewesen war, die seine Schmach ans Tageslicht gezerrt hatte. Nein, er würde nichts sagen. Aber sie würde es zu spüren bekom­men!

Sie war kaum beim letzten Gedanken angekommen, da fühlte die kleine Frau eine leichte Gereiztheit in sich aufsteigen, die mit einer gewissen Befriedigung einher­ging. Karl würde auf­grund seiner Zeugungsunfähigkeit sicher keine Minder­wertigkeitskomplexe bekommen oder gar aus Kummer darüber sterben! Aber sie hatte jetzt endlich Klarheit und konnte daher ihre eigene Hoffnung end­gültig aufgeben. Es tat zwar weh, zu wissen, dass sie nie ein eige­nes Kind haben würde, doch ver­zweifeln würde sie darüber nicht. Schließlich drehte sich das Le­ben einer Frau nicht mehr bloß um Kind, Küche und Kir­che. Würde sie sich halt mehr ihren Hobbys und ihren Freundinnen widmen, um ihre Zeit sinnvoll auszufüllen, während er seinen Geschäften nachging.

„Ich danke Ihnen für alles.“ Das Gesicht der Ärztin fixie­rend, stand Elisa nun ebenfalls auf und lächelte dabei gezwungen. „Auf Wiedersehen.“

Doktor Wießner erhob sich, mit der Absicht, ihre Besu­cher zu verabschieden. Doch hatte sie kaum Elisas Hand erfasst, da fiel ihr ohne jeden Übergang die junge Frau ein, die kurz vor dem Ehepaar bei ihr gewesen war. Die Welt war doch wirklich ver­rückt, schoss es ihr daraufhin durch den Sinn. Hier verzehrte sich ein Paar nach einem Kind, konnte aber keines bekommen. Die Sechszehn­jährige bekam eines, wollte es aber nicht haben. Wie ungerecht doch das Leben war! Andererseits konnte man dem Schicksal durchaus ein Schnippchen schlagen, nicht wahr.

„Sie wissen, dass heutzutage eine Schwangerschaft trotz Steri­lität des Partners möglich ist“, begann sie vorsichtig.

Auf Elisas Gesicht machte sich eine verwirrt anmutende Miene breit, während sie ihr Gegenüber mit großen Au­gen ansah.

„Wie meinen Sie das?“, wollte sie wissen.

„Eine Spermaspende könnte helfen“, begann Doktor Wießner zu erklären. „Es haben schon viele Paare auf diese Weise …“

„Nein!“ Karl war schon bei den ersten Worten der Medi­zinerin wie unter einem Schlag zusammen gefahren und kam nun mit langen Schritten zum Schreibtisch zurück, um seine Frau am Arm zu fassen und mit einer besitz­ergreifenden Geste an sich zu ziehen. „So etwas kommt überhaupt nicht in Frage! Das wäre ja … Für mich wäre das Ehebruch!“ Elisa gehörte ihm allein! Wenn sie nicht seine Kinder gebären konnte, sollte sie überhaupt keines haben. Niemals würde er zulassen, dass der Samen eines anderen Mannes in ihr Wurzeln fasste und heranwuchs. Schon die Vor­stellung, dass das Kind in ihrem Körper nicht seines wäre, war grauenhaft!

Die Ärztin runzelte kurz die Stirn und nickte dann, so als wolle sie sich selbst etwas bestätigen. Er war eine ziem­lich egoistische und zudem äußerst dominante Persön­lichkeit, stellte sie im Stillen für sich fest. Selbst das Wis­sen, dass der größte Wunsch seiner Frau niemals in Er­füllung gehen würde, wenn er nicht nachgab, ließ ihn nicht von seinem Standpunkt abweichen. Was seine Part­nerin in diesem Moment dachte, oder wie sie sich fühlte, schien im völlig gleichgültig zu sein. Und doch …Vielleicht gab es doch noch eine Chance für ihre lie­benswerte Patientin.

„Es gäbe da auch noch die Möglichkeit einer Adoption“, sagte sie mit ruhiger Stimme. „Haben Sie schon einmal daran gedacht, ein Kind zu adoptieren?“ Weil nun in beiden Augenpaaren ihrer Be­sucher leises Interesse auf­glomm, fühlte sie sich in ihrem Vor­gehen bestätigt. „Was auch immer Sie jetzt tun“, fuhr sie fort, „bedenken Sie auch diese Möglichkeit. Es gibt so viele Kinder, die ohne Eltern aufwachsen müssen. Da ist man froh um jedes, das in eine intakte Familie aufgenommen wird.“

 

„Was für eine verrückte Idee.“ Karl hatte den Vorschlag der Ärztin unkommentiert gelassen und sich stattdessen sehr kurz angebunden verabschiedet. Doch jetzt, auf dem Weg zur Praxis hinaus, begann er den Gedanken in einem anderen Licht zu sehen, erwägte das Für und Wieder, und kam sehr bald zu einem Entschluss. Ja, so würde es gehen, dachte er euphorisch. Seine Frau würde ein Baby haben können, ohne dass sie durch einen anderen Mann besudelt wurde. Und er würde endlich eine voll­ständige Familie erhalten!

„Aber es würde ein völlig fremdes Kind sein“, versuchte Elisa einzuwenden. Als sie jedoch die Vorfreude und die Ent­schlossen­heit im Gesicht ihres Mannes registrierte, war sie froh, ihren Widerspruch so leise vorgebracht zu haben, dass er ihn gar nicht erst gehört zu haben schien. Er meinte es ja nur gut, er­mahnte sie sich selbst. Außer­dem … Vielleicht wurde ja gar nichts daraus.

 

*

 

Mehrere Wochen vergingen, in welchen Karl Himmel und Hölle in Bewegung setzte, um als Adoptivvater aner­kannt zu werden, und dabei Stück für Stück seinem Ziel näher rückte. Elisa indes ver­folgte seine Bemühungen mit ängstlicher Zurückhaltung und war dabei innerlich so angespannt, dass sie bald meinte, jeden Moment in tausend Stücke zerbrechen zu müssen. Zum einen wünschte sie sich, man möge ihr die ganze Sache ersparen, indem man den Antrag einfach ablehnte, weil sie sich einfach nicht vorstellen konnte, ein fremdes Kind wie ihr eigenes lieben und umsorgen zu können. Andererseits fürchtete sie eine nega­tive Entscheidung von Seiten der Behörden, weil ihr damit auch die Möglichkeit ge­nom­men würde, endlich Mutter sein zu dür­fen. Am Ende gab sie es auf, ständig darüber zu grübeln, was werden würde, denn es blieb ihr ohnehin keine Wahl. Karl hatte entschieden, dass er un­bedingt einen Sohn haben musste, also würde er seinen Willen auch be­kommen – so wie immer.

Um sich abzulenken, kramte Elisa ihre Staffelei hervor und begann wieder zu malen. Was Jahre zuvor als natürli­ches Talent entdeckt und dann in entsprechenden Kursen an der Volks­hochschule zu einem handwerklich sicheren Können ausgebildet worden war, war zu einem Hobby geworden, allein dazu be­stimmt, ein schöner Zeitvertreib zu sein. Doch jetzt entwickelte es sich zu einer Tag­ füllen­den Tätigkeit. Und weil sie in relativ kurzer Zeit mehrere hochwertige Leinwände und diverse Malutensilien kaufte, zog sie die Aufmerksamkeit des Ge­schäftsinhabers auf sich, der neben seinem Laden auch eine kleine Kunst­-Galerie besaß. Und so fan­den vier von ihren Werken ihren Weg in dessen Ausstellung, um kurz darauf einem neuen Besitzer übergeben zu werden. Dass sie einen er­staunlich hohen Preis erzielten, verwunderte Elisa ge­nauso sehr, wie die Tatsache, dass man baldmöglichst noch mehr Bilder von ihr haben wollte.

 

*

 

Es war ein Tag vor Elisas einunddreißigsten Geburtstag, da kam Karl freudestrahlend nach Hause und verkündete voller Stolz, sie seien nun als Adoptiveltern anerkannt und stünden ab sofort auf der Warteliste für einen Säug­ling.

Elisa war immer noch hin und her gerissen, und wusste daher nicht so recht, sollte sie sich mit ihrem Mann über den Erfolg seiner Hartnäckigkeit freuen, oder doch Angst vor der Zukunft und dem fremden Wesen haben, welches man ihr früher oder später an­vertrauen würde. Am Ende schalt sie sich eine Närrin, weil sie sich von ihrer eigenen Furcht lähmen ließ, und stürzte sich dann in hektische Aktivitäten, wohl wissend, dass sie nur auf diese Weise die nerv tötende Wartezeit überstehen würde. Karl hatte zwar ent­schieden, in welchem Raum des großen Hau­ses das Kind sein Reich haben sollte. Allerdings war noch nichts vorbereitet. Und so kümmerte sie sich zunächst darum, dass das künftige Kinder­zimmer in freundlichen Farben gestrichen und mit passenden Gar­dinen ausge­stattet wurde. Danach bestellte sie die not­wendigen Mö­bel, kaufte Babykleidung in verschie­denen Größen und meldete sich schließlich zu einem Säuglings-Pflegekurs an.

 

*

 

Am zehnten Mai des Jahres Neunzehnhundertneunund­siebzig, also fünf Monate nach dem Besuch bei Elisas Ärztin, bestellte man das Ehepaar Andersen in die gynä­kologische Abteilung des Hambur­ger Stadtkrankenhau­ses. Sie waren kaum da, da legte man Elisa ein Bündel in die Arme, welches ausschließlich aus einer flauschigen Decke zu bestehen schien. Bei näherem Hin­sehen wurde dann ein rosiges Säuglingsgesicht sichtbar, das sich im Schlaf entspannt hatte.

Die kleine Frau war vom ersten Augenblick an überzeugt, nie etwas Liebreizenderes gesehen zu haben. Sie war in der Tat der­maßen fasziniert von dem engelsgleichen Ba­byantlitz, wel­ches von einem dichten Schopf seidig glän­zender heller Haare umgeben war, dass sie alles andere um sich herum vergaß. Die winzige Stupsnase und die hellen Augenbrauen betrachtend, bewunderte sie für ei­nen Moment die ungewöhnlich langen Wimpern des schlafenden Jungen, und war dann wie verzaubert von dem feinen Lächeln, das plötzlich auf seinen Lippen lag. Wunderschön, dachte sie ein ums andere Mal. Ein Baby, wie aus einem Bilderbuch. Und doch … Sie war sich immer noch nicht ganz sicher, ob sie es auch so lieben konnte, wie sie eigentlich wollte. Es war immer noch das Kind einer anderen! Würde sie dieses Wissen je verdrän­gen oder gar vergessen können, fragte sie sich voller Selbstzweifel.

Karl ahnte nichts von den Ängsten, mit welchen sich seine Frau plagte. Aber selbst wenn er davon gewusst hätte, wäre seine ein­zige Reaktion darauf ein ungeduldi­ges Abwinken gewesen. Er schaute daher zufrieden lä­chelnd auf seine Frau hinunter, die sich in den Anblick des schlafenden Kindes vertieft hatte, und genoss das Gefühl tiefster Genugtuung, welches sein gesamtes Be­wusstsein erfüllte. Geschafft, dachte er. Eiserner Wille und uner­müdliche Ausdauer zahlten sich eben immer aus!

 

*

 

Der hohe schrille Schrei endete in einem jämmerlichen Weinen, was Elisa sofort aus dem Bett trieb. Leise, um ihren nach wie vor laut schnarchenden Mann nicht zu wecken, schlich sie auf Zehen­spitzen zum Ausgang. Gleich darauf verließ sie das Schlafzimmer und zog am Ende behutsam die Tür hinter sich zu. Während sie ein paar Sekunden später das Kinderzimmer betrat, knipste sie gleich­zeitig die Deckenbeleuchtung an und eilte dann mit schnellen Schritten zu dem Kinderbett, um den klei­nen Jungen heraus­zu­heben.

Fabian war mittlerweile zehn Monate alt und hatte die größten Schwierigkeiten mit den Zähnen, die immer im Viererpack durch­zustoßen schienen. Aufgrund der damit einhergehenden Schmer­zen biss er in alles hinein, was er gerade erreichen konnte, weil dies kurzzeitig ein wenig Linderung brachte. Und so kam es, dass Elisas Hand, die eigentlich auf seine Wange gelegt worden war, um ihn beruhigend zu streicheln, zum Ziel der kleinen spitzen Schneidezähnchen wurde. Als sie daraufhin einen unter­drückten aber dennoch hörbaren Schmerzlaut aus­stieß, ließ er sofort wieder los. Die Augen vor Schreck weit aufgerissen und angefüllt mit Tränen, starrte er atemlos zu ihr hinauf. Dann hob er eine Hand und patschte unbe­holfen in ihr Gesicht, um es anschließend mit unsicheren Bewegungen zu streicheln.

„Ma?“ Weil sie nicht gleich reagierte, versuchte es der Kleine noch einmal: „Mam … Ma?“

Elisa meinte plötzlich, sie würde von einer alles über­spülenden Woge liebevoller Zärtlichkeit überrollt, und hielt unwillkürlich die Luft an. Ihr Herz schlug ihr mit einem Mal in harten schnel­len Stößen bis zur Kehle hi­nauf, so dass sie fürchtete, es würde jeden Moment aus ihrer Brust springen. Es war nicht mehr wichtig, dass sie nach mehreren Nächten ohne ausreichenden Schlaf völlig übermüdet und so ziemlich am Ende ihrer Kräfte war. Was in die­sem einzigartigen Moment zählte, war allein die Wärme des kind­lichen Körpers, der in ihren Armen lag, und das Gefühl tiefer Ver­bundenheit mit dem Jungen. In diesem Augen­blick vergaß sie auch die letzten Vorbe­halte, die sie insgeheim noch gegen das „fremde Kind“ gehegt hatte, verdrängte nun vollends, dass es nicht ihr ei­gen Fleisch und Blut war, und fühlte nur noch tiefe, bedingungs­lose Liebe für den Winzling, der sie aus gro­ßen, grünen Kuller­augen ansah, und der sie für seine Mutter, also den Fixstern seines Daseins hielt.

„Schon gut, mein kleine Liebling“, hauchte sie leise. „Es ist alles gut. Mama ist ja da.“

 

2

 

„Na, mein Sohn. Schau mal, was der Papa für dich hat!“

Obwohl das Kind keinen wirklichen Grund hatte, den Vater zu fürchten, schreckte es doch jedes Mal zusam­men, sobald es ihn hörte, denn Karls Stimme hallte unan­genehm laut durch die hohen Räume des Hauses. Zudem trat er stets so autoritär und unnahbar auf, dass es an ein Wunder gegrenzt hätte, hätte der kleine Junge anderes als größten Respekt vor ihm empfunden. Und so schaute Fabian dem Vater wieder einmal total ein­geschüchtert entgegen, als dieser mit einem Paket unter dem Arm auf ihn zukam und kurz vor ihm in die Hocke ging. Die höl­zernen Tierfiguren waren nun genauso vergessen, wie das Spiel, das er kurz zuvor auf dem Wohnzimmerteppich sitzend gespielt hatte.

„Was ist denn, mein Sohn? Du guckst ja, als wollte ich dich fres­sen.“ Das letzte Wort war kaum ausgesprochen, da verfiel Karl in glucksendes Gelächter. Gleichzeitig öffnete er den Deckel des Kartons, den er mittlerweile auf dem Boden abge­stellt hatte. „Komm schon“, forderte er im jovialen Tonfall. „Guck dir an, was ich extra für dich gekauft hab.“

Fabian gehorchte, denn zum einen hatte er mittlerweile den ersten Schrecken überwunden, und zum anderen war er von Natur aus neugierig, so dass er nun wissen wollte, was in dem Paket war. Als er jedoch die verschiedenen metallischen Bau­teile entdeckte, die fein säuberlich in extra dafür vorgesehene Fächer einsortiert waren, wan­delte sich seine Vorfreude rasch in Ratlosigkeit.

„Na, was sagst du?“ Karl merkte durchaus, dass der Junge keine wirkliche Begeisterung angesichts des Baukastens empfand, wollte dies jedoch nicht wahrhaben. „Toll, nicht wahr! Ist so ’n richtiges Tüftelpaket, weißt du. Kann man tolle Sachen mit ma­chen.“

Fabian war hin und her gerissen. Einerseits freute er sich tat­sächlich darüber, dass der Vater ihm ein Geschenk gekauft hatte, obwohl weder Weihnachten noch sonst ein Feiertag war. Anderer­seits wusste er immer noch nicht so recht, was er mit den merk­würdig geformten Blechteilen anfangen sollte, und traute sich zudem auch nicht, dies offen zu sagen, weil er nicht als dummes Kind angesehen werden wollte. Am Ende tat er genau das, was von ihm erwartet wurde: Er zog den Karton näher zu sich heran und begann auszupacken.

„Das ist wirklich ein schönes Geschenk. Vielen Dank, Papa.“ Den Kopf tief gesenkt, hielt er zwei Metallstücke in den Händen und versuchte zu entschlüsseln, was sie darstellen sollten, kam jedoch zu keinem brauchbaren Ergebnis. Also legte er sie bei Seite und nahm dafür zwei andere Teile auf, in der Hoffnung, bei diesen beiden mehr Erfolg zu haben.

Unterdessen beobachtete Karl das Geschehen mit wach­sender Ungeduld. Als das Kind jedoch wiederholt zu neuen Bauteilen griff, nur um sie nach kurzer Betrachtung beiseite zu legen, fuhr er unbeherrscht dazwischen, indem er mit beiden Händen zu­packte und die herausgeholten Metallstücke in den Karton zurückwarf.

„Ich seh’ schon“, grollte er, „es gefällt dir nicht! Dabei hab ich so viel Geld dafür ausgegeben. Aber egal. Wird sich halt ein anderes Kind darüber freuen. Ich bring’s nämlich zurück in den Laden.“

Fabian hatte sich fast zu Tode erschrocken, als ihn der Vater völlig unverhofft wegschubste, um an den Karton herankommen zu kön­nen. Entsprechend verängstigt hockte er jetzt am Boden, nicht recht wissend, wie er sich weiter verhalten sollte. Am Ende rich­tete er sich vor­sichtig auf, fühlte dabei Tränen an seinen Wangen hinab laufen und wischte sich mit dem Ärmel seines Pullovers das Gesicht ab. Den breiten Rücken des Vaters betrach­tend, stand er wie festgenagelt auf der Stelle, insgeheim sicher, dass dieser mit dem Schimpfen noch längst nicht fertig war und nur durch das Wiederverschließen des Geschenkkartons abgelenkt wurde. Erst als die Mutter hereinkam, in den Händen ein mit Kuchenplatte und Li­monade-Krug beladenes Tablett, warf er sich herum und floh aus dem Wohnraum.

„Was ist denn los?“, wollte Elisa wissen, während sie sichtlich verwirrt dem Jungen nachsah, der Hals über Kopf die breite Treppe zu seinem Zimmer hinauf hetzte.

„Nix Besonderes“, schnappte Karl wütend, indem er sich nun ebenfalls aufrecht hinstellte. „Dein lieber Sohn hat mir nur ge­rade zu verstehen gegeben, dass er mein Ge­burtstagsgeschenk nicht mag. Sonst war nix.“

„Was?“ Ihre Augen huschten über den Baukasten, der jetzt unter Karls rechtem Arm klemmte, suchten dann das Gesicht ihres Man­nes, in dem Enttäuschung und Zorn zu erkennen waren, und wan­derten dann erneut zu dem Pa­ket. „Wieso Geburtstag? Der ist doch erst in zwei Mona­ten.“

„Ja und?“, blaffte er. „Hab ich‘s halt nicht abwarten kön­nen! Ist das denn so schlimm?“

„Nein, schlimm ist das nicht.“ Sie stand mittlerweile neben ihm und verrenkte sich den Hals, um die Altersan­gabe entziffern zu können, die seitlich auf der Verpa­ckung aufgedruckt war. „Aber unüberlegt.“ Bevor ihr Mann etwas erwidern konnte, stellte sie das Tablett auf dem Wohnzimmertisch ab und langte gleich im An­schluss nach dem Baukasten, um Karl sogleich die Empfeh­lung des Herstellers vor die Nase zu halten. „Ab zehn Jahre“, las sie zusätzlich laut vor.

„Was?“, fragte er mit verständnisloser Miene.

„Das Ding wird für Kinder ab zehn Jahre empfohlen“, erklärte sie geduldig. „Also musst du dich nicht wundern, wenn Fabian nichts damit anfangen kann, mein Lieber. Er ist ja noch nicht einmal fünf.“

Für einen Moment wollte es scheinen, als würde Karl aus der Haut fahren, angesichts der nachsichtigen aber für ihn pein­lichen Be­lehrung durch seine Frau. Doch dann stieß er ein unüberhörbar unechtes Lachen aus.

„Du glaubst wohl, ich hätt’s nicht gesehen, ja? Aber das hab ich wohl“, behauptete er nun von oben herab. „Ich wollte nur mal testen, wie intelligent er ist, sonst nix.“

„Seine Intelligenz ist für sein Alter völlig in Ordnung“, erklärte sie, indem sie gleichzeitig die Limonade-Karaffe und die Kuchen-Platte vom Tablett auf den Tisch stellte. „Allein seine künstlerische Begabung ist außergewöhn­lich. Du solltest dir mal die Bilder an­sehen, die er malt. Es ist wirklich erstaunlich, was er in seinem Alter schon zustande bringt.“

„Bilder, pah! Es reicht, dass meine Frau dauernd mit Farben herum kleckst. Ich brauch’ nicht noch einen so genannten Künstler in meinem Haus!“ Karl schätzte zwar die Werke alter Meister, ak­zeptierte auch, dass seine eigene Frau ein gewisses Talent besaß, denn sonst hätte sie sicher keines ihrer Bilder verkaufen können, brachte jedoch wenig, um nicht zu sagen gar kein Verständnis für die jungen Leute auf, die Jahre ihres Le­bens damit ver­geudeten, die schönen Künste zu studieren, nur um her­nach der Gesellschaft zur Last zu fallen, weil sie keine vernünftige Arbeit verrichten konnten, um sich selbst ernähren zu können. „Er soll sich gefälligst mit vernünfti­gen Dingen befassen! Schließlich muss er mal meinen Maschinenbaubetrieb übernehmen und sollte bei Zeiten darauf vorbereitet werden!“

„Er ist doch noch ein kleines Kind“, versuchte sie zu be­schwichti­gen.

„Ja und?“, wischte er den Einwand beiseite. „Als ich so alt war, wie er jetzt ist, hab ich mir nichts sehnlicher ge­wünscht, als einen Baukasten, hab ihn aber nicht bekom­men, weil kein Geld für Spielzeug übrig war. Der un­dankbare Bengel kriegt alles, was es für teures Geld zu kaufen gibt, macht sich aber noch nicht einmal die Mühe, so zu tun, als freue er sich über mein Geschenk!“

„Willst du wirklich, dass er dir etwas vorheuchelt, was er gar nicht fühlt?“ Elisa sah ihren Mann mit großen Augen an. „Ja?“

„Nein!“ Karls Zorn hatte mittlerweile ein wenig nachge­lassen. Dennoch war er noch weit davon entfernt, den Vorfall wirklich objektiv zu sehen. „Ich ... Ach, lasst mich doch in Ruhe!“ Er hatte kaum zu Ende gesprochen, da warf er sich herum und stapfte mit langen Schritten aus dem Raum.

Elisa blieb auf der Stelle stehen und sah ihm mit gerun­zelter Stirn nach. Warum nur, fragte sie sich. Wieso wurde er in letzter Zeit immer so schnell wütend? Und weshalb hackte er ständig auf dem Jungen herum? Nichts war ihm recht, was auch immer der Kleine tat. Und sie selbst musste sich auch immer öfter in Acht nehmen, wie und was sie sagte, denn jedes falsche Wort konnte zu einem hässlichen Streit führen. Ob er Schwierigkeiten im Betrieb hatte? Ja, das musste es sein, dachte sie. Es gab sicher Probleme, die ihn belasteten, die er aber nicht mit ihr besprechen wollte. Ihn danach zu fragen würde jedoch völlig unnütze Liebesmüh’ sein, denn er hatte noch nie über geschäft­liche Dinge mit ihr geredet, und würde es auch in Zukunft sicher nicht tun.

 

*

 

An Fabians fünftem Geburtstag beschloss Karl, dass er ihn in ei­nem Internat unterbringen würde, denn er war der Meinung, dass der Junge eine ordentliche Ausbildung brauchte. Unter „ordentli­cher Ausbildung“ verstand er eine strenge und daher kompro­misslose Erziehung, die nicht in Elisas nachgiebige und daher schwache Hände, sondern in die ausgebildeter Fachleute gehörte. Außer­dem war er der Meinung, dass die Vorsorge für die Zukunft nicht früh genug beginnen könne. Desweiteren behagte ihm Fabians zurückhaltendes Wesen nicht, denn es entsprach nicht seiner Vor­stellung eines aufgeweckten und tat­kräftigen Jungen, der auch mal über die Strenge schlug und sich damit wissentlich in Gefahr brachte, eine ent­sprechende Strafe erdul­den zu müssen.

Wäre Fabian tatsächlich ein rotzfrecher Bengel gewesen, der vor nichts und niemandem Angst oder Respekt ver­spürte, Karl hätte dennoch die gleiche Entscheidung ge­troffen. Doch das wollte sich der große Mann nicht so offen eingestehen. Stattdessen lobte er sich selbst für die geniale Idee, denn er war überzeugt davon, dass man in einem Internat eine Persönlichkeit mit Format aus dem Jungen machen würde, die exakt seinen eigenen Idealen entsprach.

Der eigentlich wahre Grund für Karls einsame Ent­scheidung war wohl eher ein bisher unterdrückter Wider­wille gegen das Kind, das nicht sein eigenes war und das dennoch so viel Liebe und Auf­merksamkeit durch Elisa erfuhr, wie kein anderes Wesen. Nein, dass er eifer­süchtig war, das hätte der große Mann niemals zugege­ben. Dennoch war er jedes Mal versucht, die beiden aus­einander zu reißen, sobald er sie in einer zärtlichen Umarmung antraf, denn allein diese Geste führte ihm stets vor Augen, dass er ein Außens­tehender war, dem man keinen Zugang zu dieser innigen Gemein­schaft ge­währen wollte. Dass Fabian nur aufgrund seiner Ruppig­keit vor ihm zurückschreckte, und sich nicht traute, seine Zunei­gung offen zu zeigen, sah er nicht.

 

„Sag das noch einmal. Was hast du getan?“ Elisa hatte die Erklä­rung ihres Mannes durchaus verstanden, konnte jedoch nicht glau­ben, dass sie richtig gehört haben sollte. Die Hände so fest zusam­menballend, dass ihre Fingernä­gel sich schmerzhaft in ihre Hand­flächen bohrten, sah sie ihn mit weit aufgerissenen Augen an und hoffte, er würde jeden Moment in Gelächter ver­fallen und das Ganze so­mit als Scherz enttarnen.

Aber diesen Gefallen tat Karl seiner Frau nicht. Stattdes­sen mus­terte er sie von Kopf bis Fuß, so als sähe er sie tatsächlich zum allerersten Mal, und verzog dabei sein Gesicht zu einer ab­weisen­den Miene, womit er deutlich machen wollte, dass er ihre Reaktion für höchst unpas­send hielt.

„Ich habe den Jungen in einem Internat angemeldet“, wieder­holte er. „Ich hab mir einige angesehen und mich am Ende für ein Haus in der Nähe von Hannover ent­schieden.“ Sein Tonfall machte deutlich, dass er weder Kritik an seinem Verhalten dul­den, noch die Richtigkeit seiner Entscheidung in Zweifel gezo­gen sehen wollte. „Es wird Zeit, dass er seine Ausbildung be­ginnt. Außerdem hat er dort viele gleichaltrige Spielkameraden.“

Nicht wahr, dachte Elisa unterdessen. Das konnte einfach nicht wahr sein!

„Wieso Internat? Und warum so weit weg?“, fragte sie heiser. „Gleich um die Ecke ist eine sehr gute Grund­schule. Und außer­dem ... Er ist ja erst vor drei Monaten fünf geworden und daher noch viel zu jung, um einge­schult zu werden!“

Das hatte man ihm auch im Internat gesagt, erinnerte sich Karl. Dennoch hatte er darauf bestanden, dass man Fa­bian aufnahm, und dafür dann eine nicht unerhebliche Extrasumme zusichern müssen, weil ja eine besonders intensive Betreuung für den vermeintlich hochbegabten und daher frühzeitig einzu­schulenden Jungen nötig wer­den würde. Und nun war alles geregelt und so weit fest­gelegt, dass es peinlich gewesen wäre, hätte er jetzt einen Rückzieher gemacht. Nein, dachte er trotzig, es gab kein Zurück. Elisa würde zwar eine Weile brauchen, um sich an die neue Situation zu ge­wöhnen. Aber am Ende würde sie sich damit abfinden und wieder die liebevolle und auf­merksame Ehefrau und Geliebte werden, die sie früher gewesen war, und die er sich zurückwünschte.

„Selbstverständlich hätte er hier zur Schule gehen kön­nen“, er­widerte er gereizt. „Aber dann würde nix Ge­scheites aus ihm wer­den, denn du würdest ihn weiterhin verhätscheln und ver­weichlichen, so wie du es bisher auch getan hast. Und genau das will ich verhindern.“ Sein herablassender Ton machte deutlich, wie gering seine Wertschätzung für die pädagogischen Fähig­keiten seiner Frau war. „Ich habe einen Nachfolger gewollt. Und ge­nau dieses werde ich auch aus ihm machen. Ob es dir nun passt oder nicht, ist mir gleich.“ Mit diesen Worten wandte er sich brüsk ab und ging zum Bar-Schrank, um sich einen großen Cognac zu ge­nehmigen.

Elisa stand wie vom Donner gerührt und wusste, was auch im­mer sie jetzt sagte, es würde nichts nützen. Das Einzige, was sie viel­leicht mit einem weiteren Wider­spruch erreichen würde, wäre ein lautstarker Streit, den man im ganzen Haus hören konnte. Und Karl würde noch mehr trinken – in letzter Zeit bediente er sich oft aus der hauseigenen Bar, um seinen Ärger hinunterzuspülen! Das wiederum machte ihn dann noch reiz­barer und triebhafter, als er ohnehin schon war. Besser, sie hielt den Mund, stellte sie im Stil­len für sich fest, während sie sich lang­sam abwandte, um an­schließend den Raum zu verlassen. Es kostete sie zwar immer mehr Überwindung, das gehor­sam kuschende Weibchen zu spie­len, doch blieb ihr keine andere Wahl, wollte sie das Leben ihrer Familie nicht unnötig schwer machen.